Retro Games vs. New Games

Header Gamesphilephoto
Ständig hört und liest man in der Welt der Videospiele: „Früher war alles besser.“ Sei es in Hinsicht auf das Gameplay, welches heute oftmals als zu leicht bezeichnet wird, die Spieldauer oder das Spiel als solches. Aber ist das wirklich so, war früher wirklich alles besser?

Natürlich ist dieser Beitrag keine wissenschaftlich Arbeit oder eine Forschungsstudie oder sonst irgendwas. Es sind Hypothesen, Vermutungen und Erfahrungswerte, auf die ich mich stütze und natürlich auf eure Meinung, das heißt, ich hoffe vor allem zu diesem Thema viele Kommentare von euch zu erhalten. Dennoch geht es auch euch sicherlich so, dass ihr immer wieder hört oder lest, dass früher doch alles besser war. Darum mal ein Beitrag meinerseits, zu diesem doch sehr schwierigen Thema.

Die Spieldauer

In jüngster Vergangenheit wurden wir alle Zeugen davon, dass das Spiel The Order 1886 einiges an negativer Kritik erntete. Angeprangert wurde die viel zu kurze Spieldauer. Denn noch bevor das Spiel auf dem deutschen Markt erschien, zeigte uns ein Youtuber, dass das komplette Game in verhältnismäßig kurzer Zeit beendet werden konnte.

Da es sich bei dem Spiel um das Genre Action-Adventure handelt, habe ich mir zum Vergleich also mal was aus der gleichen Kategorie in Sache Retro gesucht.

Ich für meinen Teil bin ein riesiger Zelda Fan. Doch bis Anfang diesen Jahres, plagte mich immer wieder das schlechte Gewissen, da ich es nie geschafft hatte, The Legend of Zelda: A Link to the Past zu beenden. Aus meiner Kindheit und meiner Jugend konnte ich mich daran erinnern, dass das Spiel unfassbar schwer war und man wirklich lange daran gesessen hat.

Dennoch habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Spiel noch einmal anzufangen und endlich zu beenden. Und siehe da nach ca. 3 Tagen war dieser Punkt von meiner Liste abgehackt. Sicherlich habe ich an The Legend of Zelda: A Link to the Past länger gespielt, als der Youtuber an The Order 1886, aber war es wirklich so extrem viel länger?

Natürlich besitze ich auch noch The Legend of Zelda: Ocarina of Time, für das ich beim ersten Durchlauf damals 6 Monate brauchte. Heute sind es ca. 1 1/2 Tage. Aber was macht diesen gewaltigen Unterschied?

Früher war alles schwerer

Diese Aussage höre ich sehr oft. Früher war alles schwerer. Aber die Frage lautet doch vielmehr, war es wirklich schwerer oder haben sich die Videospiele nur weiterentwickelt? Und vor allem, warum denken wir das früher immer alles schwerer war?

Früher war es oftmals noch so, dass es bestimmte Spielmechaniken gar nicht gegeben hat. So haben wir noch eine 2D statt einer 3D Perspektive genossen. Dies schränkte uns auch in unserem handeln oftmals ein. Bei Zelda war es zum Beispiel so, dass wir Link lediglich aus der Vogelperspektive folgten und dadurch auch unser Kampfverhalten stark eingeschränkt wurde. Außerdem konnte er auch längst nicht so viel wie heute. Ich meine Saltos springen, um auszuweichen oder sich abrollen? Dies war damals einfach alles schlichtweg nicht möglich, was uns oftmals den Spielprozess als solches erschwert hat. Heutzutage bekomme ich bei Zelda nicht mehr so oft eins auf die Nase wie damals. Dies liegt aber tatsächlich daran, dass die Möglichkeiten die für uns derzeit selbstverständlich sind, damals nicht vorhanden waren.

Ein weiterer Punkt ist sicherlich das Speichersystem. Heutzutage sind wir es gewohnt, dass wir fast immer und überall abspeichern können. Obwohl es auch hier noch Spiele gibt, die sich die Variante von Speicherpunkten zu eigen machen. Früher hingegen war es fast immer so, dass man nur an bestimmten Punkten oder aber auch nach bestimmten Missionen speichern konnte. Das Motto war ganz einfach friss oder stirb. Schaffst du es OK, schaffst du es nicht, versuche es noch einmal.

Ich glaube ein weiterer wichtiger Aspekt ist die eigene Erfahrung. Ich gehöre glaube ich zu der Generation, bei der die Videospiele so richtig im Trend lagen und nach wie vor liegen. Das erste Mal habe ich mit 3 Jahren auf einer Konsole gespielt. Heute bin ich 26 fast 27 Jahre alt. Also habe ich über 23 Jahre Erfahrungswerte im Bezug auf Videospiele und den Umgang mit diesen sammeln können. Weswegen mir Spiele, von denen ich damals dachte, ich würde sie niemals zu Ende bringen, wie zum Beispiel A Link to the Past, heute ganz einfach von der Hand gehen. Das bedeutet also im Umkehrschluss, selbst Spiele, die für mich damals einfach unlösbar erschienen, sind heute kein Problem mehr.

Dazu kommt, dass wir heute den Schwierigkeitsgrad der Spiele oftmals selbst einstellen können. Denke ich zum Beispiel an Silten Hill, kann ich einstellen, wie schwer die Gegner und wie schwer die Rätsel sein sollen. Dies sind ebenfalls Punkte, die es damals nicht gab. Für alle gab es den gleichen Schwierigkeitsgrad, der in der Regel nicht separat eingestellt werden konnte.

Natürlich gibt es aber auch Faktoren wie der Absatz eines Spiels. Sicherlich ist es so, dass die Entwicklerstudios an ihren Produkten verdienen müssen und uns nicht einfach so, mit den neusten Games bereichern. Denn schließlich stehen auch hier einzelne Arbeitsplätze und Familien dahinter, die mit der Vermarktung und dem Absatz eines solchen Spiels, ihr täglich Brot verdienen. Ein hohes Einkommen für ein Produkt erzielt man, wenn viele Leute dieses kaufen. Das ist ganz klar. Also versucht man, eine breite Masse anzusprechen. Es bringt einem Entwicklungsstudio somit also nichts, ihr Spiel so schwierig zu gestalten, dass 2 von 100 Spielern begeistert sind und der Rest frustriert davor sitzt, weil er nicht mehr weiter kommt.

Die Spiele waren früher allgemein Besser

Ebenfalls ein Punkt, den man oft hört. Spiele waren liebevoller oder besser gestaltet und einfach im allgemein besser als heute. Aber Warum?

Ganz ehrlich ich finde auch die heutigen Super Mario Teile noch sehr liebevoll und gut. Das Spiel als solches entwickelt sich halt nur weiter. Es ist wie in der Musik. Hier gibt es Bands, die ich von Beginn an höre oder entsprechend alte Alben besitze. Doch ganz ehrlich über die Jahre hinweg, hat eine Band keine Lust immer nur die gleiche Art von Musik zu machen. Also entwickelt man sich weiter und probiert neue Sachen aus. Dem einen gefällt das, dem anderen nicht. Anders ist es auch nicht mit Videospielen. Nehme ich zum Beispiel die Silent Hill Reihe, so liebe ich einfach die alten Teile. Doch ab dem 4 Teil der Reihe nehmen die Spiele in meinen Augen zunehmend ab. Dies liegt aber vor allem daran, dass sich vieles am Spielprinzip verändert hat, was mir nicht mehr zusagt.

Ähnlich verhält es sich zum Beispiel bei Guild Wars 1. Dies war genauso, wie ein MMO für mich sein sollte. Mit Guild Wars 2 wurde aber einiges am Spielprinzip verändert. Weswegen ich es einfach nicht mehr spiele.

Und denke ich zum Beispiel mal einen Titel wie Secret of Mana, bin ich manchmal sogar ganz froh, dass sich Videospiele weiterentwickeln. Klar liebe ich Secret of Mana, aber heute hätte ich einfach keine Lust mehr 5 Stunden an der gleichen Stelle zu stehen und Gegner zu verhauen, nur um ein paar Level ups zu machen. Von daher hat die Weiterentwicklung von Spielen doch auch was Gutes an sich.

Mein Fazit: 

Ganz im Ernst. Nachdem ich mich jetzt ein wenig mit dieser Thematik „Früher war alles besser“ beschäftigt habe und mir einige Gedanken dazu gemacht habe, bin ich der Meinung das früher nicht immer alles besser war. Es war nur anders.

Wir Spieler haben uns ja auch in den Jahren weiterentwickelt. Dementsprechend auch die Spiele. Der eine Spieler hat zum Beispiel viel Zeit für sein Hobby und der andere nicht. Warum soll es dann nicht auch AAA Titel geben, die kurz und knackig sind? Man muss doch selber entscheiden dürfen, ob einem das Spiel trotz kürzerer Spielzeit 60 Euro wert ist. Außerdem gibt es bestimmt Leute, die kurze Spiele sogar bevorzugen. Und ich für meinen Teil schaue nicht als Erstes auf die Spielzeit, sondern darauf ob mich das Spiel und die Story interessieren.

Außerdem bin ich der Meinung, dass es auch heute noch Spiele gibt, die einen erfahrenen Spieler durchaus fordern. Ich denke nur an Spiele wie The Last of Us. Kann gar nicht sagen, wie oft wir bei diesem Titel geflucht haben. Klar gibt es dann auch wieder Spiel wie The Evil Within, bei denen ich manchmal denke, dass sie wirklich schon an unfair grenzen. Denn man muss ein Spiel auch nicht unter allen Bedingungen und Umständen künstlich schwer machen. Ich meine 3 Arenen hintereinander und noch mal 3 Bosse drauf oder so, weil es so schön war. Ganz im Ernst, das kann doch keiner wirklich gut finden, oder?

Ich für meinen Teil bin zu dem Entschluss gekommen, dass sich Retro Games nur schwer mit aktuellen Titeln vergleichen lassen. Da die Möglichkeiten heute einfach viel größer sind. Außerdem würde es uns auch nicht gefallen, wenn man uns vollständig einschränken würde, nur um das Spiel zu erschweren. So oder so, wie man es auch macht, richtig ist es nie.

Doch der Markt an Videospielen ist heutzutage so groß, das eigentlich für jeden, was dabei sein sollte. Aber jetzt interessiert mich eure Meinung zu diesem wirklich spannenden Thema, zu dem ich wahrscheinlich noch Stunden schreiben und berichten könnte, aber ich will auch nicht übertreiben. Findet ihr das früher alles besser war?

You may also like...

  • http://totallygamergirl.com/ totallygamergirl

    Sehe ich auch so. Es hat sich vieles einfach (weiter-)entwickelt und man selbst hat viel an Erfahrung gewonnen. Es gab früher fantastische Games und es gibt heute fantastische Games. Natürlich gibt es inzwischen viel mehr Auswahl. Entsprechend gibt es auch mehr Gurken. Aber hey, auch früher gab es weniger gute Spiele. Nicht jedes alte Game ist heute ein Klassiker, da gab es genauso Schund wie im Jahr 2015.

    Wäre früher alles soooo viel besser gewesen, würde ich heute nicht mehr zocken. 😉